Am Sonntagnachmittag stand das Spitzenspiel der niedrigsten Spielklasse Berlins an. Der Staffelzweite empfing den Klassenprimus. Die Gastgeber, BTV IV mussten im laufenden Spieljahr lediglich eine sportliche Niederlage hinnehmen (im Hinspiel gegen uns) sowie eine weitere am grünen Tisch und hätten mit einem Sieg in Richtung Kreisligameisterschaft aufschließen können. Wir hatten dagegen Gelegenheit, ein paar weitere Brötchen zwischen uns und das Verfolgerfeld, das inzwischen auf eben BTV IV und die SG Hermsd.-Waidm.lust III zusammengeschrumpft ist, zu legen. Typisch für diese Jahreszeit war der Kader etwas ausgedünnt. Kurzfristig kamen noch zwei zu kompensierende Grippeerkrankungen dazu, weshalb sich schließlich auch die Hälfte der coachenden Zunft als Spieler aufs Protokoll eintragen ließ. Beim Gegner schienen ebenfalls einige, aus dem Hinspiel bekannte Akteure, zu fehlen.

Nachdem wir uns zunächst in der Halle freundlich willkommen geheißen gefühlt hatten, gab es noch eine kleine Kuriosität rund um die Ballwahl, die dann gar keine wurde. Während wir den Ersatzball gar niemals zu Gesicht bekommen hatten, baten wir den Unparteiischen, aus dem vorgeschlagenen Spielgerät doch ein wenig Luft herauszulassen, wohl wissend, dass niemand, der seine technische Grundausbildung in den 00er Jahren genossen hat, damit würde spielen können. Diese Bitte wurde mit der Begründung verworfen, er sei der Schiedsrichter, wäre mit dem Ball so zufrieden und hätte ihn uns zur Prüfung vorgelegt. Eine Logik, die sich mir bis zu diesem Zeitpunkt in doppelter Weise gar nicht erschließen mag. Zum einen scheint mir doch eine Prüfung des Balles überflüssig, wenn uns daraus gar keine Handlungsmöglichkeiten erwachsen, zum anderen hat doch der Schiedsrichter für gewöhnlich über die Spielzeit den allerwenigsten Ballkontakt. Wieso wiegt dann seine Zufriedenheit mit dem Spielgerät höher, als die der Hälfte der aktiven Sportler? Möglicherweise handelte es sich hier aber auch einfach um eine mir noch unbekannte Regel. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte ich mir aber schon gewünscht, zumal der Unparteiische zwei Stunden später im selben Trikot auflief wie die Gastgeber.

Auch wenns zu einfach klingen mag, das Spielgerät beraubte uns gleich zweier taktischer Mittel, des Wurfs aus der zweiten Reihe, so wie eines Umschaltspiels, welches mehr als einen schnell Pass erfordert. Das spielte dem Gastgeber nach meinem Dafürhalten etwas in die Hände, da wir nun darauf angewiesen waren, uns immer bis in die Nahwurfzone zu tanken oder von Fehlern des Gegners in deren Ballbesitzphasen zu profitieren. Gerade letztere machten die Turnsportler aber nahezu gar keine, wodurch ein über die gesamte Spielzeit enges und ziemlich körperbetontes Spiel entstand. Die 2-Tore-Führung aus Sicht der Gastgeber in schwarz (7:5) sollte die höchste Führung der ersten Spielhälfte bleiben. Zum Halbzeitpfiff stand ein so wohl leistungsgerechtes 13:13 im Protokoll. Neben der Tatsache, dass es BTV insgesamt besser gelang Gefahr aus der Fernwurfzone zu entfalten, hatten wir vor allem große Probleme, die Achse Halbrechts-Kreis unter Kontrolle zu bringen.

Bis zum Wiederanpfiff schien sich dann auch die Kreuzberger Unzufriedenheit mit dem Spielgerät der unseren anzunähern, sodass der Mannschaftsverantwortliche der Gastgeber zur Nadel griff und dem Ball ein wenig Luft abnahm. Dass der Spielleiter diesen Handlungsdrang jetzt wiederum nicht beanstandete, hinterlässt bei mir immer noch den bitteren Beigeschmack, dass hier doch möglicherweise mit zweierlei Maß gemessen wurde aber letztlich profitierten wir natürlich genauso vom verbesserten Ball und sahen folglich keinen Anlass zur Beschwerde.

Die Heimmannschaft schaffte es in der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit dann, sich ein ein leichtes Polster zu erarbeiten. Zunächst zogen sie mit zwei Strafwürfen auf 16:14 davon und legten kurz darauf noch das dritte Tor dazwischen (18:15). Während die Abwehr guten Zugriff auf das Spiel gefunden hatte, machten wir es uns mit einigen technischen Fehlern selber schwer und nahmen unser eigenen Gegenstoßspiel so nun vollends aus der Partie. Der Glaube daran, das Spiel kippen zu können, wich dagegen nicht. Es brauchte scheinbar lediglich eine Initialzündung. Rückblickend lag diese in der Verletzungsunterbrechung, in der wir kurz um die Schulter unseres einzigen nominellen Linksaußens zu fürchten hatten, der dann erfreulicherweise 10 Minuten später schon wieder in das Spiel eingreifen konnte.

Während der darauffolgende Strafwurf sein Ziel noch knapp verfehlte und so der Rückstand noch konserviert wurde (20:17), hielt unser Torsteher wiederum im darauffolgenden Angriff den ersten Siebenmeter nach zuvor insgesamt fünf sicher vorgetragenen Strafwurfversuchen der Gastgeber. Es folgte via zweiter Welle der direkte Anschlusstreffer unsererseits. Wieder stellte BTV den alten Abstand her und wir schwächten uns zusätzlich mit einer Zeitstrafe wegen Meckerns im eigenen Ballbesitz. Trotz Unterzahl gelang der erneute Anschlusstreffer durch Siebenmeter. Die nächste Deckungsphase beinhaltete zwar eine weitere Hinausstellung, jedoch wurde die 4 gegen 6 Situation infolge eines weiteren gehaltenen Siebenmeters schadlos überstanden. Das Momentum färbte sich langsam aber sicher blauweiß. Auf der anderen Seite stellte ein Wurf nahe der Grundlinie auf 21:20. Wieder hatte der BTV die Gelegenheit, uns aus dem Tritt zu bringen, wieder hatten wir eine Zeitstrafe zu verkraften und erneut kamen wir ohne Gegentor in Ballbesitz. Ein weiterer erfolgreicher Strafwurf für uns egalisierte den Spielstand zum ersten mal seit 20 Minuten (21:21). Die Kreuzberger kamen nochmals über einen Versuch aus der zweiten Reihe und die bereits angesprochene Achse RR-KM zum Erfolg (22:21 und 23:22). Beide Male gelang der schnelle Ausgleich und schließlich erwischten wir jene einzigen 5 Minuten dieses Tages, an denen Wille, Glaube und das nötige Wurfglück zusammen kamen, kurz vor Ende der Partie und konnten auf 23:26 stellen, bevor Sportfreund Fröhlich mit einer ansehnlichen Hüftkeule den Endstand auf 24:26 editierte.

Hinten raus kamen zwei(einhalb, dank direktem Vergleich) ganz wichtige Punkte in Richtung eines Spielklassenwechsels. Gedankt sei an dieser Stelle auch dem Gastgeber, der uns alles abverlangte und auch mit seiner harten (aber trotzdem beinahe nie unfairen, die rote Karte kann man sicherlich so geben) Gangart half, die nötige Körperspannung und den nötigen Willen zum Erfolg aufzubauen. Das war mit Sicherheit das Spiel der laufenden Saison, das am meisten Spaß gemacht hat und gut auch ohne Punkte für uns hätte enden können. Auch dem Schiedsrichter an dieser Stelle nochmal vielen Dank, der in Ermangelung einer Ansetzung einsprang und abgesehen von der kleinen Anekdote bezüglich des Spielgeräts nach meinem Dafürhalten immer um einen fairen Pfiff bemüht war und seine Linie konsequent durchhielt.