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mA: SG TMBW vs SG Narva 24:24 (10:12)

Nach dem erfreulich guten Saisonstart mit drei Punkten aus zwei Spielen gastierte gestern mit der SG Narva das erste richtige Schwergewicht der Liga in unserer Kolonnenhalle. Die Friedrichshainer ließen in den Partien zuvor nichts anbrennen und hatten nach drei Siegen bereits 32 Tore mehr geworfen als kassiert. Mit der Favoritenrolle hatten wir demnach rein gar nichts zu schaffen. Narva hatte die absolvierten Spiele allesamt bereits zum Halbzeitpfiff deutlich im Griff (19:8 vs. Preussen; 16:7 vs. Spandau; 15:7 vs. Wildau). Die Trainer hatten aber Vertrauen, dass wir das Spiel lange annähernd offen gestalten können, wenn wir unser Leistungsvermögen in der Deckung abrufen können.

Die Ostberliner kamen zu Beginn besser in die Partie. Vom 2:2 Zwischenstand setzten sie sich das erste mal auf 2:7 ab. Speziell das Umschaltspiel der Gäste bekamen wir kaum in den Griff. Während die erste Welle noch weitestgehend unterbunden werden konnte, bereitete uns der agile Rückraum immer Probleme, wenn er mit hoher Geschwindigkeit anlief.

Die größte Stärke unseres Teams im laufenden Spieljahr scheint zu sein, dass auch in schwächeren Phasen keine Panik ausbricht. Ein personeller Wechsel im Tor, der sich gleich durch einige Paraden auszahlte, reichte aus, um uns wieder in die Spur zu bringen. Vorne begriffen unsere Jungs zudem, dass die Wurfversuche über den großgewachsenen Mittelblock nicht das Mittel der Wahl sein konnte und gingen zunehmend mit Mut in die Schnittstellen. Das wurde belohnt. Beim 8:9 waren wir wieder auf Tuchfühlung. 10:12 hieß es dann leistungsgerecht zur Pause.

Negatives Highlight: kurz vor Halbzeitpfiff verloren wir durch eine Dämlichkeit die Hälfte unseres Mittelblocks via Disqualifikation.

Nichtsdestotrotz, in der Kabine herrschte überwiegend Zufriedenheit mit dem Gezeigten. Dass die Gäste sich noch nicht spielentscheidend absetzen konnten wurde als Etappenziel gewertet. Sollte die Abwehrleistung für weitere 30 Minuten konserviert werden können, würden wohl Kraft und Wille das Spiel letztlich entscheiden.

Mit Wiederanpfiff konnten wir dann zunächst auch an die Performance anschließen. Beim 13:13 glichen wir erstmals wieder aus. Dann kam der Bruch. Innerhalb von 113 Sekunden kassierten wir gleich vier Zeitstrafen, die aus einer Mixtur aus fehlender Cleverness, Übermotiviertheit, Frust und womöglich auch ein wenig fehlendem Fingerspitzengefühl seitens der insgesamt guten Schiedsrichter resultierten. Im Stile der Spitzenmannschaft, die sie sind, nahm Narva die Situation dankend an und stellte den Spielstand auf 14:21. Das hätte die Vorentscheidung sein können. Aufgeben war an dem Tag aber keine denkbare Option. Wieder in Gleichzahl kam zwar zunächst lange nicht das Gefühl auf, dass wir das Ding echt noch drehen könnten aber die Gastgeber verbissen sich jetzt in jeden Quadratzentimeter des Parketts. Erneuter Torhüterwechsel und Anweisung an die Deckung, das Zentrum zu verdichten, sodass Narva über die Außen abschließen muss.

Und der Plan ging auf. Dominique Henschel, der dominierende Akteur des Friedrichshainer Angriffsspiels, fand selbst nicht mehr den Weg zur Sechsmeterlinie, sodass früher oder später immer der Ball auf den Außenpositionen landete. Gegen die Flügel aber vernagelte unser Torsteher jetzt die Kiste. Möglicherweise war es auch dem Kräfteverschleiß geschuldet, dass der Gegner kaum noch die gefährliche zweite Welle vortrug, obwohl wir durch zahlreiche technische Fehler im Angriff oft dazu einluden. Auch die dritte Zeitstrafe gegen die verbliebenen 50% unseren Mittelblocks ließen die engagierte Abwehrarbeit unserer Farben jetzt nicht abreißen. Narva brachte den Ball einfach nicht mehr im Tor unter. Handballerisch hatten wir im eigenen Ballbesitz auch nicht mehr viel aufzubieten. Es war eher der schiere Wille, der die Bälle jetzt über die Torlinie trug. Schlussendlich kamen auch einige strittige Pfiffe zu unseren Gunsten dazu, die das Gesamtkonto dann wohl in etwa ausglichen. 17:21; 20:24; da ging noch was; 24:24 Ballbesitz und Auszeit bei 25 Sekunden Restspielzeit. Die Trainer wollen den Punkt und erklären den Erhalt des Ballbesitzes bis Schlusspfiff zur obersten Maxime. Abpfiff – direkter Freiwurf – Latte – Pfosten – raus – Unentschieden.

Zeit für das Fazit und die obligatorische Euphoriebremse. Narva war am Sonntag – da müssen wir uns gar keinen Illusionen hingeben – handballerisch klar besser. Der ausgezeichnet ausgebildete Rückraum, allen voran der bereits erwähnte D. Henschel, stellten uns vor große Probleme. Zudem lief der Ball in des Gegners reihen einfach flüssiger. Deshalb stehen die Friedrichshainer unserer Ansicht nach weiterhin zu recht auf Rang 1. Ein Torerfolg via direktem Freiwurf zum Schluss hätte zum kuriosen Spiel zwar gepasst, wäre aber nicht leistungsgerecht gewesen.

Was uns aber gelang, war die Lücke, die derzeit zwischen der spielerischen Qualität beider Teams klafft, durch Kampf zu schließen. Das gilt für alle unsere Jungs. Ein kleines Sonderlob innerhalb der Leistung des Kollektivs haben sich dieses mal unsere beiden Torhüter verdient, die jeweils Impuls und Fundament für beide Aufholjagden waren.

Wir gehen jetzt mit 4:2 Punkten und vorübergehend auf Rang 3 in die Herbstpause und wollen die Zeit nutzen, um unserem Angriffsspiel mehr Variabilität zu verleihen. Die nächsten Pflichtspiele erwarten uns im November – am ersten Wochenende gleich doppelt. Am 5.11. geht es in der Liga nach Wildau. Tags drauf empfängt uns Neukölln im Pokalwettbewerb