Für die urlaubsbedingt verreiste Daggi durfte ich am Samstag als Coach einspringen…kein Problem, die Mädels hatte ich ja zuvor selbst trainiert und kenne die meisten auch seit Jahren.

Dennoch stand eine große Ungewissheit im Raum: wie würden sich die Mädchen nach gut anderthalb Jahren offizieller Spielpause auf dem Spielfeld präsentieren? Ich nehm’s vorweg: ziemlich gut…eigentlich…wenn da nicht…ach, ich fang doch von vorne an.

Unserem Gegner EBT ging es wahrscheinlich so wie uns: keine Ahnung, was da auf uns zu kommt. Sind die stark? Können die was? Zumindest traten sie mit voller Kapelle an, während bei uns aufgrund Hannas krankheitsbedingtem Ausfall Anfängerin Helena als einzige Auswechselspielerin zunächst die Bank hütete (keine Sorge, sie bekam auch ihre Einsatzzeiten).
Die ersten fünf bis sechs Minuten plätscherten dann ausgeglichen so vor sich hin (2:2 nach 05:36), bevor wir mit einem kleinen Lauf über 5:2 (09:26) bis auf 9:5 (21:20) in Führung gingen. Unsere offensiv eingestellte Abwehr stand gut, bzw. bewegte sich effektiv und ließ kaum Lücken. Die Bälle, die doch den Weg zum Tor fanden, wurden meist zu Jettes leichter Beute.
Im Angriff zeigte sich allerdings schon unser Grundproblem in diesem Spiel: Trotz zahlreicher Torchancen, sei es durch Einzelaktionen oder durch gutes Zusammenspiel, blieb die Torausbeute überschaubar. Zu viele Würfe landeten am Pfosten, gingen knapp daneben oder wurden Opfer des guten Stellungsspiels der gegnerischen Torhüterin. Mein Hinweis, auch mal die andere Ecke auszuprobieren, wurde meistens gepflegt ignoriert – schließlich spielen die Mädels ja schon seit vielen Jahren Handball und benötigen keine oberklugen Wurftipps ihres Trainers, die können das schon alleine…
Es kam dann wie schon oft gesehen: die eigene schlechte Wurfquote rächte sich, die Gegnerinnen kamen auf 9:9 heran (24:30), bevor Lina kurz vor Schluss der ersten Hälfte mit dem 10:9 zum Pausentee läutete (24:52).

Die Halbzeitansprache war klar: wir sind die überlegene Mannschaft, haben die bessere Abwehr und müssen einfach nur das Tor treffen, dann brennt auch nichts an. Einfacher gesagt als getan. Denn leider war die zweite Hälfte nahezu ein Spiegelbild der ersten. Wir schafften es, uns erneut auf vier Tore abzusetzen (15:11, 38:44), die Abwehr war weiterhin stabil, und vorne wurden wieder zahlreiche freie Würfe vergeben. Peu à peu und fast unbemerkt schlichen sich die Gegnerinnen unter konsequenter Ausnutzung unserer Unkonzentriertheiten heran, und plötzlich stand es 18:18 (47:56). Kurz darauf nahm ich eine Auszeit, um den Mädels etwas Ruhe zu geben und sie nochmal einzustellen. Den Angriff bis kurz vor Schluss auszuspielen schien mir keine gute Idee, da ich kein Zeitspiel riskieren wollte. Also sollten die Mädchen zielstrebig aber ohne Hektik den Torabschluss suchen, sich danach schnell zurückziehen und im Wissen um die stabile Abwehr den Ball für den letzten Angriff erobern.
Konsequenterweise wurde der Ball durch einen Fehlpass verdaddelt, aber zumindest der schnelle Rückzug klappte. Die Gegnerinnen entschieden sich, den Abschluss über Außen zu suchen. Mein ausgesprochener Gedanke „werfen lassen“ wurde leider nicht gehört, stattdessen erfolgte der Griff zum Wurfarm, nicht böse, eher unbeholfen und ohne jegliche Verletzungsfolgen, aber für den Siebenmeterpfiff absolut ausreichend – mit dem Ergebnis, dass nunmehr ein unfreundliches 18:19 auf der Anzeigetafel blinkte (49:37). Die verbliebene Zeit hätte eigentlich noch für eine weitere Torchance ausgereicht, wenn da nicht…(und so beende ich mal den Satz vom Anfang des Berichts)…wenn da nicht plötzlich eine allgemeine Lethargie von unseren Spielerinnen Besitz ergriffen hätte: der Ball wurde in aller Seelenruhe aus dem Tornetz gefummelt – während Ela sich auf der Bank vermutlich über einen cholerischen Typen mit hochrotem Kopf erschrak, der irgendwas von „…Zeit…schneller…“ schrie. Vielleicht hat sich Jette auch erschrocken, denn ihr Pass zur schnellen Mitte kam mit viel Wucht…und flog einen guten Meter zu hoch und weiter in die gegnerische Hälfte. Die am Mittelpunkt für den Anwurf bereitstehende Spielerin entschied sich aus unerfindlichen Gründen dazu, dem fliegenden Ball hinterherzuschauen und darauf zu warten, dass die Gegnerinnen den Ball zurückwerfen (was diese verständlicherweise unterließen), worauf unsere Bank den zweiten cholerischen Anfall des Trainers erlebte. Als der Pass nach dem Anwurf dann zielgenau an Ellas Fuß landete, war der Drops gelutscht. Die Gegner ließen die wenigen verbliebenen Sekunden von der Uhr laufen und gewannen das Spiel glücklich, aber nicht unverdient.

Fazit: Das Spiel wurde nicht in den letzten zwei Minuten verloren. Die unglückliche Schlussphase ist sicherlich den nachlassenden Kräften mangels Wechselmöglichkeiten, aber auch fehlender Abgeklärtheit geschuldet. Taktisches Verhalten  bei engem Spielstand in den letzten Spielsekunden stand bislang auch nicht im Trainingsplan (sollten wir vielleicht mal üben).
Nein, ausschlaggebend war die mangelnde Chancenverwertung über den gesamten Spielverlauf. Wir hätten den Sack einfach früher zumachen müssen (5,-€ ins Phrasenschwein aka Mannschaftskasse). Spielerisch hingegen gab es wenig zu bemängeln, und die Abwehrarbeit war aus meiner Sicht erstklassig. Darauf lässt sich aufbauen…im nächsten Spiel dann.

Mein Dank geht an Ela fürs Kümmern, an die Eltern im Kampfgericht und im Ordnergewand und nicht zuletzt an den nicht angesetzten und kurzfristig eingesprungenen Schiedsrichter Adrian, der das Spiel freundlich, ruhig und souverän leitete.

Es spielten: Jette (im Tor), Kathi (8 Tore), Ella (4), Lina (3), Kalli (2), Micki (1), Helena und Merit.

Heiko