Mit dem Gefühl, eigentlich nichts zu verlieren zu haben, reiste Blau-Weiß 90 Tempelhof am dritten Spieltag zu den Mecklenburger Stieren nach Schwerin. Die Gastgeber waren mit 2:2 Punkten in die Saison gestartet und warteten mit einer starken Mannschaft sowie einer beeindruckenden Kulisse auf. Für Blau-Weiß kam erschwerend hinzu, dass Kapitän Nils Kern verletzungsbedingt fehlte.
Doch gerade unter diesen Voraussetzungen zeigte die junge Tempelhofer Mannschaft ihr bislang bestes Saisonspiel.
Traumstart in Schwerin
Die ersten Minuten waren zunächst etwas hektisch. Gleich zu Beginn unterliefen Blau-Weiß drei technische Fehler. Danach stabilisierte sich die Mannschaft allerdings und zeigte eine enorme Energie.
Die 3:2:1-Abwehr arbeitete beweglich und aggressiv, während Konrad Beck im Tor von Beginn an überragend hielt. Besonders freie Würfe nahm der Torhüter immer wieder weg und gab seiner Mannschaft damit Sicherheit.
Und auch offensiv zeigte sich Blau-Weiß von einer ganz anderen Seite als noch in den ersten beiden Saisonspielen. Bela Widczisk eröffnete den Tempelhofer Torreigen, Lukas Kern, Janik Schewetzky, Sebastian Schuck und Nils Quente legten nach. Nach etwas mehr als fünf Minuten führte Blau-Weiß tatsächlich mit 5:3.
Danach übernahmen die Gastgeber zunehmend das Kommando. Die Stiere spielten mit hohem Tempo und stellten Blau-Weiß mit ihrer individuellen Qualität im Eins-gegen-eins vor große Probleme. Aus dem 3:5 wurde innerhalb weniger Minuten ein 8:5, später sogar ein 12:7.
Trainer Dennis Niehusen reagierte früh mit einer Auszeit. Anschließend fand Blau-Weiß wieder besser ins Spiel und hielt die Partie zumindest offen. Besonders Quente, Bunse, Schuck und Lukas Kern sorgten immer wieder für Treffer.
Auch Robert Bunse zeigte sich offensiv stark und erzielte noch vor der Pause zwei wichtige Tore. Trotzdem konnte Schwerin seinen Vorsprung behaupten.
Mit einem Treffer von Leo Heim kurz vor der Halbzeit ging es beim Stand von 20:14 in die Kabinen.
Blau-Weiß kämpft – Stiere bleiben zu stark
Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel intensiv. Blau-Weiß gab sich nicht auf und kämpfte um jeden Ball. Joël Nitschke und Leo Heim verkürzten zwischenzeitlich, Robert Bunse traf ebenfalls weiter zuverlässig.
Die Stiere hatten allerdings weiterhin die höhere individuelle Qualität und fanden immer wieder Lösungen gegen die Tempelhofer Abwehr. Vor allem im Eins-gegen-eins waren die Gastgeber schwer zu stoppen.
Nach 45 Minuten stand es 33:24. Kurz darauf kam Blau-Weiß noch einmal etwas näher heran. Janik Schewetzky erzielte innerhalb weniger Minuten drei Treffer und sorgte dafür, dass der Rückstand nicht weiter anwuchs. Insgesamt zeigte Schewetzky gemeinsam mit Quente, Schuck und Bunse offensiv deutlich mehr Durchschlagskraft als in den ersten Saisonspielen.
Bei 36:26 nach 50 Minuten war allerdings endgültig klar, dass die Stiere die Partie kontrollieren würden. Lukas Kern hatte zuvor noch die Chance, per Siebenmeter weiter zu verkürzen, scheiterte jedoch.
In der Schlussphase durfte dann auch Hendrik Maerz noch einige Minuten im Tor sammeln und zeigte dabei direkt mehrere starke Paraden gegen freie Würfe.
Schwerin brachte die Partie souverän über die Zeit und gewann am Ende mit 41:29 (20:14).
Fazit: Deutlicher Schritt nach vorne
Natürlich steht am Ende erneut eine Niederlage. Trotzdem war dieser Auftritt ein klarer Schritt nach vorne.
Blau-Weiß zeigte über weite Strecken eine hohe Intensität, eine bewegliche Abwehr und deutlich mehr Lösungen im Angriff. Gerade der Start mit der 5:3-Führung und die Reaktion nach dem zwischenzeitlichen 8:5-Lauf der Stiere machten deutlich, dass die Mannschaft unter Dennis Niehusen langsam besser in ihre neue Spielidee findet.
Das Ergebnis fiel am Ende vielleicht ein paar Tore zu hoch aus. Schwerin war über die gesamte Partie die individuell stärkere Mannschaft und spielte insbesondere im Eins-gegen-eins seine Qualität aus. Blau-Weiß konnte aber lange dagegenhalten und zeigte, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht.
Jetzt soll endlich auch der erste Punktgewinn her.
Am kommenden Sonntag wartet mit der SG Uni Greifswald/Loitz der nächste anspruchsvolle Gegner. Nach drei Spielen steht Blau-Weiß noch ohne Punkte da – die Mannschaft will das im nächsten Heimspiel unbedingt ändern.
Die Leistungssteigerung aus Schwerin macht Mut. Jetzt gilt es, diese Intensität und diesen Einsatz über 60 Minuten zu bestätigen und sich dafür endlich mit den ersten beiden Punkten der Saison zu belohnen.